Flucht-Leere-Hoffnung

 

 

Der Teppich war bzw. ist, im Orient, aber auch bei uns, ein wesentlicher Teil der Wohnung, der Heimat in seiner engeren Bedeutung. Deshalb beginnt meine Arbeit mit einem Orientteppich. Er ist in diesem Triptychon ein Symbol für Heimat. Die Leserichtung ist ganz im Sinne der arabischen Schrift von rechts nach links.

Eine Flucht entwurzelt und führt in ihrer Folge zu einer inneren und äußeren Leere. Traumatisierung bleibt zurück, was war, hat keine Gültigkeit mehr, alles ist anders, alles was Bestand hatte, hat sich verändert, ist nicht mehr verlässlich. Die entstandene Leere wird sich nur sehr langsam neu füllen, oft erst über Jahre hinweg, vielleicht nie. Was bleibt ist die Hoffnung auf einen Neuanfang.

Die Begegnung mit der "neuen Welt" bedeutet einen unbekannten Lebensraum zu betreten. Die der Leere entspringenden kryptischen Zeichen auf der linken Hälfte des Triptychon symbolisieren diese neue Welt, die Sprache, die Riten, die Mode des Zufluchtsorts.

Diese kryptischen Zeichen nimmt der Betrachter in gleicher Weise als unverständlich wahr wie ein Mensch der flüchten musste. Alles erscheint offen, fremd  und unverständlich. Gleichzeitig beinhaltet aber dieser linke Teil des Triptychons den Aspekt der Hoffnung, ohne die, alles Nichts wäre. Dieser Teil meiner Arbeit beinhaltet den Gedanken des Weitergehens, der Zuversicht und des Ankommens.

Das Thema Flucht ist ambivalent. Denkbar ist neben der physikalischen Flucht von Menschen auch die Flucht vor sich selbst, die innere Flucht. Auch sie führt in eine Leere, die es gilt wieder zu füllen, mit neuem Leben, neuen Zielen und neuem Vertrauen in sich selbst und die anderen Menschen.

Die Maße des Triptychons je Bildteil 0,95 m x 1,15 m (Breite x Höhe), die Gesamtmaße der Arbeit mit je 0,02 m Hängeabstand zwischen den drei Bildteilen belaufen sich auf eine Höhe von 1,15 m und eine Breite von 2,89 m.


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 Kevin

 Kevin

Schon seit 10 Minuten starrten sie gedankenversunken in die Weite des Landes. Nichts geschah, kein Halm bewegte sich. Ja-, unglaublich, sie hatten sich verliebt. Alle Anderen sagen, sie sind ein komisches Paar. Sie würden nicht zusammenpassen. Kevin Obermoser war außergewöhnlich. Sein dunkelrotes Fell gefiel Aleecia Beroe Méndez seit dem ersten Tag. Aleecia, auch sie fast gleich rot, mit grüngelben Füßen, ein besonderer Vogel.


Es war noch nicht völlig spruchreif-, aber Aleecia wärmte seit 14 Tagen vier schöne große Eier. Kevin und Aleecia waren schon richtig gespannt.


Nur ihre Liebe zählte für sie.